Die Bereiche Virtual Desktop Infrastructure (VDI) und Bring Your Own Device (BYOD) erfahren gerade in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit – also einen wahren Hype. Ein solcher Hype rund um die „IT-must-haves“ sagt einem, wie eine Produktkategorie, eine neue Innovation oder Lösung, die Welt verändern wird, was wir in verschiedener Form schon zigmal erlebt haben. Das Motto hierbei ist: Kauf Dir X, sonst bleibst Du hinter Deinem Wettbewerb zurück und Produkt Y wird sämtliche Unternehmensprobleme lösen und morgens auch den Toast für Dich machen. Produkt Z ist bahnbrechender als Wasser und der nächste große Trend und so weiter…. Irgendwann hat der Hype seinen Gipfel überschritten und die Menschen, die sich mit den „neuen“ Lösungen rumschlagen müssen, finden heraus, was man mit den neuen Produkten tatsächlich anfangen kann und welche Einschränkungen es dafür gibt. An diesem Punkt integriert sich ein Produkt wirklich in ein Unternehmen oder aber es verschwindet in der Versenkung.

Genau das geschieht zur Zeit mit VDI und BYOD.

VDI senkt Ihre Ausgaben, macht Ihre Mitarbeiter glücklicher und die Lizenzierung einfacher ... So jedenfalls der Hype. Wir als Kenner haben festgestellt, dass wenig an diesen Behauptungen stimmt und uns ist klar geworden, dass es schon sehr früh Anhaltspunkte dafür gegeben hat. Im Detail bedeutet dies, dass man VDI einsetzen kann, um die Hardware-Ausgaben zu reduzieren, doch selbst dieser Anspruch wird von denen, die Server und irgendeine Art von Client implementiert und bezahlt haben, in Frage gestellt. Es gibt einige sehr überzeugende Gründe für VDI, aber von einer massenhaften Verbreitung sind wir noch weit entfernt und die Unternehmen scheinen sich einig zu sein, dass es noch eine ganze Weile dauern wird. Trotzdem erklärt die Hype-Maschinerie jedes neue Jahr wieder zum “Jahr der VDI”.

Bis dahin ist BYOD das Allheilmittel für jeden. Mitarbeiter bekommen die Möglichkeit, ein Gerät ihrer Wahl zu benutzen, Arbeitgeber können die Ausgaben für Mobilgeräte reduzieren, die Sonne bricht durch die Wolken, die Vögel zwitschern ein munteres Lied... bis auf die Tatsache, dass das wie bei jedem anderen Hype-Zyklus auch nicht der Realität entspricht - und zwar nicht einmal im Entferntesten.

“Bring your own Device” ist nicht wirklich BYOD, es ist vielmehr “lass uns das Gerät kaufen, das du haben möchtest”. Was das Thema Desktops angeht, setzen Unternehmen standardmäßig Windows ein, da sie es auf diese Weise schaffen, das Management verschiedener Betriebssysteme möglichst gering zu halten. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Unternehmen einfach so unterschiedliche Geräte-Betriebssysteme und eine Vielzahl unterschiedlicher Apps, die sich aus der Verwendung mehrerer Geräte-Betriebssysteme ergeben, unterstützen werden, wollen und können. In vielen Branchen wird die Notwendigkeit, das Gerät auf einer höheren Ebene zu kontrollieren, als den meisten Benutzern in Bezug auf ihr privates Gerät lieb ist (man denke an das Gesundheitswesen und die Finanzbranche), dazu führen, dass ein Gerät ausschließlich für berufliche Zwecke verwendet wird, ob einem das nun gefällt oder nicht.

Warum ist das Geschrei groß, wenn es um “die Demokratisierung von IT” geht? Ganz einfach: Die Leute, die hier am lautesten schreien und unbedingt BYOD haben wollen, gehören zu zwei Gruppen: Führungskräfte an der Spitze eines Unternehmens, die rund um die Uhr Zugang brauchen, falls es zu einem Notfall kommt und Leute wie ich ‑ Technofreaks, die sich zu Hause über ihr privates Tablet in das System ihres Unternehmens einloggen möchten. Die anderen 90% der arbeitenden Bevölkerung? Sie wollen keine Daten Ihres Arbeitgebers auf ihrem privaten Tablet oder Handy haben. Sie werden zwar ein kostenloses Tablet von ihrem Arbeitgeber akzeptieren und es manchmal sogar für ihre Arbeit benutzen, aber selbst das ist von einem großen Prozentsatz der Mitarbeiter noch viel verlangt.

Was VDI angeht, so gab es ursprünglich einen leichten Druck gerade vom Management, Implementierungen im großen Maßstab durchzuführen. IT-Spezialisten werden sich allerdings hüten, einen Komplettaustausch ihrer Hardware durchzuführen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Projekte dieser Art laufen nie wie geplant, sie sind einfach zu groß. Und daher folgen die meisten Unternehmen dem Standardardzyklus für Pilotprojekte/begrenzte Implementierung/wachsende Implementierung. Was auch eine logische Konsequenz aus deren Erfahrung ist, selbst wenn es die VDI-Anbieter nicht unbedingt glücklich macht.

Im Bereich BYOD sieht es nicht anders aus. Die meisten Mitarbeiter wollen noch nicht mal Desktops bei ihrer Arbeit nutzen, ganz zu schweigen vom Zugriff über ihr privates Tablet am Strand. Lediglich die Technik-Freaks unter uns und die Überflieger halten das für eine gute Idee und die Performance wird selbst den Blauäugigsten unter uns Gläubigen sehr schnell deren Illusionen rauben.

Reden wir über Fakten. Was wird übrig bleiben, wenn der Hype vorüber ist und wie gehen Sie am besten vor? Es gibt ein paar Schritte, die Sie unternehmen können, ohne gleich das Rad neu erfinden zu müssen und ohne, daß Sie Ihre IT-Infrastruktur komplett neu aufstellen müssen:

  • Suchen Sie sich gezielte Einsatzszenarien für VDI aus.
  • Finden Sie heraus, wer BYOD am meisten will/braucht und stellen Sie fest, ob sich diese Gruppen auf eine Plattform einigen können.
  • Finden Sie heraus, welche Segmente Ihrer Mitarbeiterpopulation am besten für VDI geeignet sind. Niedrige CPU-Auslastung oder hohes Volumen an Software-Installationen sind hier schon einmal ein guter Ansatz.
  • Vergewissern Sie sich, dass Ihre Infrastruktur mit der Verkehrslast und neuen Arten von Datenverkehr fertig wird. Falls nicht, sollten Sie sich die Optionen von F5 ansehen, um Ihr Netzwerk für beide Lösungen schneller zu machen und zu optimieren.
  • Lassen Sie sich Zeit. Die größten VDI-Anbieter werden bestimmt nicht über Nacht vom Markt verschwinden. Für Android und iOS gilt das Gleiche. Also lassen Sie sich Zeit, und machen Sie es richtig.
  • Beurteilen Sie den Fortschritt. Viele VDI-Bereitstellungen geraten in Schwierigkeiten, weil sie zu ehrgeizig waren, oder weil sie nicht ehrgeizig genug waren und keine Vorteile erzielt haben, oder weil sie der Belegschaft nicht richtig verkauft wurden. BYOD wird mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.
  • Stellen Sie einen guten Projektmanager ein und sorgen Sie dafür, dass er die Fortschritte beurteilt und zwar nicht in Bezug auf Geräte oder virtuelle Desktops, sondern in Bezug auf Benutzerzufriedenheit und Probleme, die Ihnen um die Ohren fliegen könnten, wenn das Projekt größer wird.

Und denken Sie immer daran, dass Sie das tun, was für Ihr Unternehmen am besten ist. Machen Sie sich keine Gedanken um den Hype, den Markt oder die Gesundheit des Anbieters, das wird sich alles selbst erledigen. Der Erfolg Ihres Unternehmens ist das was zählt und Sie stellen dafür die Weichen.